Toys to Life – Angriff der Klonkrieger

„Toys to Life“, also „Spielzeug zum Leben erwecken“, so richtig gibt es das erst seitdem die tfllogoSkylander 2011 Kinder- und auch Erwachsenenherzen erobert haben. Zwar ist es nicht direkt ein neues Genre, im Grunde ist Skylanders ja ein Action-Adventure, aber ein Prinzip das ein Videospiel um eine physische Komponente erweitert. Vereinfacht gesagt – man hat was zum Anfassen.

Krieg der Spielfiguren

Offiziell fühlt man sich geschmeichelt von der Konkurenz, deren prominentester Vertreter sicher Infinity vom Disney Konzern ist. Hinweise, dass man hinter den Kulissen deutlich unentspannter ist als man das zugeben möchte gibt es – deutlich spätere Enthüllung des neuen Spiels, „aus wettbewerbsgründen“. Außerdem ging man, nachdem der Erfolg messbar war, sehr aggressiv an den Markt, veröffentlichte schon ein Jahr nach Spyro’s Adventure den Nachfolger und beauftragte ein zweites Studio mit Skylanders. Selbst bei Rewe, Rossmann und Real gibt es die Figuren zu kaufen. Auch bediente man früh die neuen Konsolen, ohne die alten zu vernachlässigen. Zusammengefasst – man brachte sich in Stellung um es bereits erwarteten Mitbewerbern so schwer wie möglich zu machen. Das diese in den nächsten Jahren zunehmen werden – nicht ausgeschlossen.

Skylanders – Pionier & Platzhirsch

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Die Macht ist stark in dir

Wer wagt gewinnt – Activision traf mit Skylanders voll in’s Schwarze. Was anfangs in der Presse als reine Geldmacherei eines gierigen Videospielgiganten galt, entwickelte sich schnell zum ambitionierten Action-Adventure mit Sammelfiguren, inklusive durchaus positiven Bewertungen der Spielepresse. Man ruhte sich nicht auf vergangenen Erfolgen aus, beauftragte sogar ein weiteres Entwicklungsstudio und lieferte bereits im November 2013 NextGen Versionen für Playstation 4 und XBOX One.doublepack2

Lobenswert – man setzt auf Innovationen. Leuchtende Figuren und Riesen im zweiten Teil, austauschbare Körperhälften in Skylanders Swap Force und auch in Skylanders 4 wird es sicher wieder eine oder mehrere Neuheiten geben. Möglicherweise ja die Kampffahrzeuge die schon in kommenden Skylanders Mega Bloks Sets zu sehen waren. Diese frischen Ideen gleichen in gewissem Maße aus, dass man nicht auf bereits am Markt etablierte Charaktere zurückgreifen kann.

Sorgen machen muss man sich um das Franchise (die Marke) ohnehin nicht, die Verkäufe sind immer noch gut, zumal sowohl für die Händler als auch für Activision bei den Figuren ordentlich was übrig ist. Bei der produzierten Menge sind die Produktionskosten vergleichsweise gering, Kosten entstehen hauptsächlich für Entwicklung und Marketing. Zu hoffen bleibt nur, dass der Markt nicht übersättigt wird, Millionen an Plastikgitarren fristen inzwischen ihr Dasein als Staubfänger oder wurden bereits zu Toiletten-Duftsteinhaltern zusammengeschmolzen.

Genauso wichtig wie die Spiele und Figuren ist die Lizenzware:

Neue und bestehende Lizenznehmer werden ihr Produktsortiment 2014 launchen, darunter: POWER-A (Tragetaschen & Spiel-Zubehör), TVMania (Bekleidung), C&A (Bekleidung), Joy Toy (Accessoires), Vivid (Brettspiele), Topps (Sticker und Sammelkarten), Panini (Bücher), Nestler (Schultüten), Folat (Partyzubehör) und Rubie´s Costumes (Kostüme).

Skylanders Infografik

Die Marke kann und wird nicht weiter so wachsen wie sie es mit Skylanders Giants tat, dennoch, ein wenig mehr hat man sich vielleicht doch von Swap Force erwartet. Verkaufszahlen gibt es zwar keine, jedoch konnte das Spiel bisher auf keiner Plattform die 100.000er Marke in Deutschland knacken, was den Wii-Versionen von Spyro’s Adventure und Giants noch gelang. Möglicherweise verteilen sich die Verkäufe aufgrund der wesentlich besseren Grafik auf den anderen Plattformen schlicht neben der Wii auf die Wii U, Xbox 360 und Playstation 3. Fakt ist – alternative Farbvarianten wie Enchanted Hoot Loop und Jolly Bumble Blast grüßen zu Dutzenden von den Regalen, Granite Crusher und Molten Hot Dog waren nach kürzester Zeit ausverkauft. Auch wenn die Auflage der Figuren höher sein wird, großer Andrang sieht anders aus. Bei Jolly Bumble Blast musste man gar die Sidekicks benutzen um die Kunden dazu zu zwingen ihn zu kaufen – als würde man Katzenbabys beim Kauf eines Hundes aus dem Tierheim verschenken. Weiteres Indiz: Figuren in europäischer Verpackung tauchen vermehrt in den Regalen von Target, Walmart und anderen amerikanischen Einzelhändlern auf.

Aktuell: Erwartungen von Analysten zu Activisions Zahlen im 1.Quartal 2014 gesenkt, Verkaufszahlen von Skylanders und Call of Duty nicht so gut wie erwartet.

Trotz allem, die Zukunft sieht durchaus rosig aus, auch wenn Disney bereits ansetzt Gill Grunt und Konsorten das Wasser abzugraben. Im Gegensatz zum Ego-Shooter Krieg zwischen Call of Duty und Battlefield werden sich die meisten Familien, Eltern und Kinder entscheiden müssen welches Spiel sie sich kaufen möchten, sonst ist es bekanntlich ein sehr teures Vergnügen.

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Disney Infinity – Großangriff

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Das Imperium schlägt zurück

Infinity ist wohl der bekannteste Konkurent, sicher auch dem gigantischen Marketing-Budget geschuldet. Disney kennt und liebt sowieso Groß und Klein, was Videospiele, Filme, Serien und Spielzeug angeht ist der Konzern bereits seit langem der Inbegriff eines „Global Players“, wobei auch hier viel von Lizenznehmern produziert wird. Zu jedem neuen Disney Film gibt es Figuren, Plüschtiere, Schlüsselanhänger, Sammelkarten, Kleidung, Rucksäcke, ein Videospiel für alle erdenklichen Plattformen und wahrscheinlich auch Nasenhaartrimmer, Heizungsthermostatregler, Angelköder sowie Backofenhandschuhe und Spitzhacken.

Als Vor- und Nachteil zu sehen: Vorgegebene Charaktere. Einerseits könnte man originelle und individuelle Charaktere nur entwickeln wenn man bei der Planung eines Films bereits früh Disney Infinity miteinbezieht, andererseits schöpft man aus einem weltbekannten und bereits etablieren Portfolio an Marken, dass wirklich „infinite“ (unbegrenzt) scheint. Zu Disney gehören nicht nur die traditionsreichen Zeichentrickfilme, deren Charaktere im übrigen noch nicht als Figuren erhältlich sind, sondern auch die Animationsfilmschmiede Pixar, unzählige TV-Filme und Serien, auch das Marvel Superheldenuniversum sowie seit kurzem Star Wars und Indiana Jones sind in der Hand des Konzerns. One mouse to rule them all… oder so ähnlich.

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Bekannte Namen sind Trumpf, weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass Infinity den Skylandern im amerikanischen Weihnachtsgeschäft bereits richtig auf die Pelle rücken konnte. Weltweit wurden mehr als 3 Millionen Starter Packs verkauft und sicher auch jede Menge Figuren, im Dezember 2013 war man in den USA schon fast auf Augenhöhe, 551.000 Starter Packs wanderten im Vergleich zu 597.000 Swap Force Kopien über die Ladentheke. Experten gehen von mehr als 100 Millionen Dollar Budget für Entwicklung und Produktion des Spiels aus, eine Investition die für nur ein Spiel absurd hoch wäre (wenn es nicht gerade 10-20 Millionen Einheiten abverkauft), zumal auch das Marketing-Budget im sehr hohen zweistelligen Millionenbereich liegen soll. Deshalb soll auch Infinity im Jahresrhytmus erscheinen, mit Version 2.0 scheinen wohl die ersten Marvel Helden ihren Einstand zu feiern.

Disney und Entwickler Avalanche Software trafen jedoch einige mehr als nur unglückliche Entscheidungen, man möchte hoffen, dass die Verantwortlichen reichlich alkoholisiert waren als sie glaubten, man könne ein Starter Paket verkaufen mit dem man die enthaltenen Level nur alleine spielen kann – lediglich Figuren des gleichen Universums dürfen in ihre Spielwelten gebracht werden. Dies führt auch dazu, dass ein großer Teil der erhältlichen Figuren wie Rapunzel und Randale Ralph ausschließlich in der Toy Box, einem extrem mächtigen Editor, spielbar sind. Figuren und Spielwelten gibt es bisher beinahe ausschließlich von Animationsfilmen und nicht von bekannten Trickfilmen rapunzelfigurwie Aristocats, Arielle oder König der Löwen, sodass man beinahe von Pixar Infinity sprechen könnte. Auch zur TV-Serie „Phineas & Ferb“ erschien kürzlich ein sogenanntes „Toy Box Set“, interessanterweise aber nicht mit eben Phineas und Ferb, sondern mit Phineas und Agent P – einem Schnabeltier. Ferb gibt’s nicht als Figur. Auf der Wii ist das freilich nicht ganz so schlimm, dort darf man sowieso grundsätzlich nur alleine spielen, eine Idee, so gut wie die Umbenennung von Raider in Twix, mindestens! Die Figuren, gerade die neueren, sehen allerdings fantastisch aus, zum sammeln lohnen sie sich also allemal.

Positiv – während man grundsätzlich nicht davor zurückschreckte gnadenlos von den Skylandern zu kopieren (bei den Figuren sind unter anderem ebenfalls Karten und Webcodes enthalten, auch wenn man mit den Karten nicht spielen kann und die Aufkleber fehlen) und dies sogar, sicherlich unabsichtlich, in einigen Making-Off Videos dokumentierte, entwickelte man ein eigenes Spielprinzip. Wie gut dies gelungen ist, das ist zumindest diskussionswürdig.

Im Kern besteht das Spiel aus Welten zu den Filmen „Die Monster Uni“, „Fluch der Karibik“ und „Die Unglaublichen“ sowie der „Toy Box“, dem bereits erwähnten sehr umfangreichen Editor. Neben Einzelfiguren kann man auch sogenannte „Playsets“ hinzu kaufen die jeweils eine neue Welt und 2 Figuren dazu liefern. Figuren und „Münzen“, die man in Zufallspacks hinzu kaufen muss, schalten außerdem Gegenstände für die Toy Box frei oder geben Boni auf Erfahrung oder Gold.

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Die Spielwelten liefern dabei nur eine sehr lose Geschichte, es geht mehr darum einige Quests (Aufgaben) hier und da zu lösen und die Welt zu entdecken. Wer sich erhofft hatte mit Woody in Andys Kinderzimmer herumzulaufen und eine Geschichte zu erleben, der wird enttäuscht. Stattdessen gibt’s im Toy Story Playset eine Kampfmission im Weltraum. Enttäuscht zeigen sich viele Käufer aber, wie bereits erwähnt, vor allem davon, dass zu neueren Filmen wie „Ralph Reichts“ oder „Die Eiskönigin“ lediglich Figuren und „Toy Box Sets“ veröffentlicht wurden und keine eigene Welt. Immerhin – die Playsets die es gibt haben eine Spielzeit von etwa 4-9 Stunden, für das „Empire of Ice“ Adventure Pack des ersten Skylander Titels benötigte man gerade einmal 10-20 Minuten. Die beiden aktuellen beschäftigen immerhin schon 30-45 Minuten. Zusammen mit den, teilweise wirklich hochwertigen, Toyboxen bietet Disney Infinity definitiv mehr Spiel. Ausnahme: Die Nintendo 3DS Version – hier erwarten den Spieler lediglich einige Mini-Spiele die wenig mit dem großen Konsolenbruder gemeinsam haben.

Ob Infinity in der Version 2.0 mehr als nur Marvel Figuren zu bieten hat wird sich zeigen, in jedem Falle sind diese, gerade in den USA, enorm populär. Comicsuperhelden von Zeichnerlegende Stan Lee und Amerika, das ist wie Bayern und Lederhosen, das Internet  und Katzenvideos oder das Krümelmonster und Kekse – es gehört einfach zusammen!

Na was steht denn da auf dem Tisch hinter den Zeichnungen?

Na was steht denn da auf dem Tisch hinter den Zeichnungen?

Prodigy – Exot für Erwachsene

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Eine neue Hoffnung

Ein Spiel von dem die meisten von euch wahrscheinlich noch nie gehört haben – Prodigy vom französischen Entwickler Hanakai Studio welches zur Zeit über die Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) Plattform Kickstarter finanziert wird und bereits ist. Crowdfunding, der virtuelle Hut eines Obdachlosen in der Fußgängerzone – statt dem besseren Gewissen bekommt man hier ein Exemplar des Spiels, sofern man genug investiert. Bereits etwa 800 Leute stellen mehr als 150.000€ zur Verfügung, damit Hanakai das Spiel entwickeln und die Figuren produzieren lassen kann.

Am ehesten könnte man Prodigy als rundenbasiertes Fantasy-Rollenspiel bezeichnen, mit einem elektronischen Brett, Figuren, Befehlskarten und einem „Ring of Power“. Entwickelt wird es lediglich für PC & MAC, per USB wird die Plattform angeschlossen. Die Figuren werden auf die Felder gestellt, legt man die passende Karte auf das Feld greift man an.

Dabei soll auch Wert auf eine Einzelspielerkampagne gelegt werden, genauso wie auf verschiedenste Modi für Spieler gegen Spieler Kämpfe. Zur Auswahl steht dafür die Company of Thorns und die Company of the Storm die aus jeweils 6 Figuren bestehen, gespielt wird gleichzeitig mit mehreren Charakteren. Das Design der Figuren und das Gameplay richten sich dabei eindeutig eher an ältere Teenager und Erwachsene – ein Alleinstellungsmerkmal.prodigyfigur

Erscheinen soll das Spiel erst im Oktober 2015, dann wird es auch über den Shop des französischen Entwicklers erhältlich sein. Wer sich sein Exemplar frühzeitig sichern möchte und einige Crowdfunding-exklusive Extras abstauben will kann das Spiel auf Kickstarter.com unterstützen.

Prodigy bedient sicher eine Nische und unterscheidet sich deutlich von Skylanders und co, es kombiniert taktisches Rollenspiel mit dem Toys to Life Prinzip, Tabletop Spielen sowie einer Kartenspielkomponente à la Eye of Judgment.

Pokémon Rumble U – Schlafender Gigant

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Die dunkle Bedrohung

Pokémon Rumble U ist ein Kampfspiel mit den weltbekannten Taschenmonstern von Nintendo. Das Spiel selbst ist dabei für schlappe 15€ zum Download erhältlich und ist im pokeballrumbleuKern nicht unbedingt auf „Toys to Life“ ausgerichtet. Lediglich 18 der 649 Pokémon gibt es als Figuren (plus einige Varianten) zum sammeln, jedoch haben sie es bisher nicht nach Deutschland geschafft. Bei game.co.uk kann man sich die Figuren für je 4 Pfund (etwa 4,86€) im Pokéball, dem sogenannten „Blind Pack“, also einer Verpackung bei der man vorher nicht sieht was enthalten ist, importieren. In Japan kosten sie gar nur 200 Yen (etwa 1,44€).

Die als NFC-Figuren erhältlichen Pokémon lassen sich verbessern, die Kommunikation mit dem Spiel funktioniert nicht über ein Portal sondern über den eingebauten NFC-Leser (Near Field Communication, eine drahtlose Technik zum Datenaustausch) des Wii U Gamepads. Man setzt bei den Figuren eher auf den günstigen Preis und Kaugummiautomatenqualität, sie sind eckig und sehen, naja, schon irgendwie billig aus. In Japan wurden sie in 3 Wellen veröffentlicht, dazu gab es Sonderaktionen mit limitierten Figuren in sehr geringen Stückzahlen.

Fun Fact: Stellt man einen Skylander auf den Sensor wird er vom Spiel als Pokémon erkannt.

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Spielerisch ist Pokémon Rumble U so garnicht mit den anderen hier vorgestellten Titeln zu vergleichen, in dürftiger Grafik dürfen mit einer Gruppe Pokémon in Arenen ein oder mehrere Gegner vermöbelt werden.

Es wirkt fast so als hätte Nintendo nur die Vorhut geschickt. Ein groß angelegtes Toys to Life Spiel scheint denkbar, entweder nur mit den Pokémon (Gotta Catch ‚Em All!?) oder gar der ganzen Nintendo Crew die, neben den beinahe 700 Pokémon, ja auch noch bananensüchtige Affen, einen Pilz-konsumierenden Klempner und viele weitere weltbekannte Charaktere zu bieten hat.

Der Markt um die Verschmelzung von Spielzeugen und Videospielen wird, zumindest in den nächsten Jahren, weiter umkämpft bleiben, der Videospielemarkt boomt ohnehin und elektronisches Spielzeug ist dem klassischen Teddybären längst auf den Fersen.

Das weitere Firmen mit verschiedensten Konzepten experimentieren gilt als sicher, ob am Ende ein weiterer großer Konkurent auftaucht ist schwer vorherzusagen. Infinity und allen voran Skylanders haben zweifelsfrei die besten Voraussetzungen den Markt zusammen zu beherrschen.

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Ein Gedanke zu “Toys to Life – Angriff der Klonkrieger

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